Eigentlich immer, aber wenigstens im Winter sollte man sich der Verschüttetensuche widmen. Schon alleine aus Verantwortung zu seinen Kumpels ist bei Ski- oder Hochtouren die Beherrschung von Gerät und Taktik pflicht.
Trotz einer Vielzahl an Hilfsmitteln stellen VS Gerät, Sonde und Schaufel immer noch die Grundausrüstung dar. Die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt nach den ersten 15 Minuten um mehr als 50%. Hier ist es wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren und den antrainierten Automatismus anzuwenden.
Tourenplanung
DIE Präventivmaßnahme schlecht hin. Theoretische Tourenplanung am Schreibtisch, Verfolgen des Lawinenlage- und Wetterberichts, Einholen örtlicher Informationen (BW, Hüttenwirt, DAV), Anpassung der Planung an örtliche Gegebenheiten (z.B. Alarmzeichen) und natürlich die Einhaltung des Plans!
VS Gerät
Jedes Gerät ist unterschiedlich und erfordert eine spezielle und richtige Bedienung. Wichtig ist, sein Gerät zu kennen: Welche Suchstrategien sind die richtigen, wie sind die Reichweiten, Berechnungs- und Einschaltzeiten? Tourenteilnehmer sollten ihre Geräte an einer “Schleuße” gegenseitig kontrollieren und immer frische Batterien einlegen (IMMER und vor allem keine Akkus).
Beobachtung
Jeder Lawinenabgang beginnt mit der Wahrnehmung. Entweder durch Lärm oder visuell sollte man die Situation schnell erfassen. Bin ich selber betroffen gibt es mehr oder weniger sinnvolle Verhaltensweisen um sich an der Oberfläche zu halten oder seitlich raus zu fahren. Ansonsten versuche ich die betroffenen Personen zu erfassen und die Flussrichtung und Staubereiche der Lawine zu verfolgen. Am wichtigsten ist der Erfassungs- und Verschwindepunkt. Dies markiert den Beginn meines primären Suchbereichs.
Eigenschutz
Ob ich mich entscheide zu suchen hängt von der Situation auf der Tour ab. Gibt es die Gefahr von Nachlawinen, wie akut ist die Lawinengefahr an sich. Diese Faktoren sollten bei Tourenbeginn bereits geklärt sein und erleichtern schnelle Reaktion. In jedem Fall setze ich einen Notruf ab!
Vorbereitung
Bin ich in einer Gruppe übernimmt eine Person die Verantwortung. Sinnvollerweise jemand mit der meisten Expertise. Anhand der Personenanzahl wähle ich auch meine Such- und Arbeitsstrategie. Man teilt ein wer das Material zusammenbaut, bestimmt einen Schaufeltrupp und delegiert das absetzen eines Notrufs. Auf jeden Fall zu beginn alle VS Geräte ausschalten (oder neuere Geräte auf Suchen stellen, da diese sich nach einer bestimmten Zeit selbst in den Sendemodus zurückstellen im Falle einer Nachlawine).
Signalsuche
Ich begebe mich zum primären Suchbereich und beginne mit meiner Suchstrategie. Suche ich alleine laufe ich das Lawinenfeld in Mäandern ab. Der Abstand sollte hier 20m zur nächsten Bahn und 10 Meter zum Feldrand nicht überschreiten (Der kleinste gemeinsame Nenner der Reichweite von VS Geräten und Senderlagen). Bin ich mit Ski unterwegs fahre ich das Feld in Zick-Zack ähnlicher Form ab, halte mich aber an die Abstände der Abdeckung. Habe ich genügend Personen zur Hand kann ich auch zwei Mäander oder Suchstreifen bilden: Hier laufen alle Personen, suchend, in entsprechender Form zur Flussrichtung in 20m breiten Bahnen bis zum Auslauf der Lawine.
Habe ich ein Signal, markiere ich mir den Punkt an dem ich meine Bahn verlasse (z.B mit einem Rucksack) und begebe mich auf Direktverfolgung. Die Markierung ist wichtig um die systematische Suche fort zu führen nach dem ich die erste Person gefunden habe.
Grobsuche
Ab dieser Phase folge ich meinem Gerät. Bei modernen 3-Antennen Suchern bewege ich mich zügig in die angezeigte Richtung. Ältere Geräte erfordern viel Erfahrung beim akustischen Verfolgen der Feldlinien um schnell voranzukommen. Befinde ich mich in unmittelbaren Bereich des Verschütteten (ca. 2-3 Meter) beginnt die Feinsuche.
Feinsuche
Bei 3-Antennen Geräten darf ich die Lage meines Gerätes nicht mehr verändern. Dieser Bereich wird mir normalerweise als akustisches oder optisches Signal angezeigt. Auch halte ich das VS Gerät so nah wie möglich auf die Oberfläche (auf die Knie) und lasse dem Gerät Zeit die Abstände zu berechnen. In diesem Bereich wird das Signal normalerweise in alle Richtungen schwächer und ich Versuche einen Mittelpunkt aller Achsen zu finden. Als Orientierungshilfe kann ich ein Kreuz aus meinen Skistöcken legen. Habe ich missverständliche Signale hilft oft eine Zentrierung der beiden schwächsten außen liegenden Punkte.
Punktortung
Nachdem ich einen Mittelpunkt gefunden habe teste ich mit der Lawinensonde anhand eines Rasters den markierten Bereich. Hier startet man in der Mitte und geht mit 20-30cm Abstand spiralförmig nach außen weiter. Die Feldlinien treten im 90° Winkel zum Hang nach außen, deshalb immer lotrecht sondieren (Und mit Handschuhen). Ist der Verschüttet gefunden lässt man die Sonde stecken und beginnt mit dem Graben.
Freilegen
Ich beginne seitlich, unterhalb zur Sonde zu graben. Ist man in einer Gruppe kann man seine Helfer in einem V-förmigen Trichter aufstellen wobei am zentralen Sektor (an der Sonde) nur eine Person gräbt. Die hinteren Personen der Schaufelraupe bewegen den Schnee weiter nach hinten. Der Hintermann im Uhrzeiger sollte den primär grabenden alle vier Minuten abwechseln um eine Erschöpfung zu vermeiden (“Schaufelrausch”). Die Atemhöhle des Verschütteten darf nicht zerstört werden.
Die gefundene Person sollte vorsichtig ganz freigelegt und die Lagerung beibehalten werden (Nicht rauszerren, Bergetod). Danach sorgt man für Wärmeschutz und beginnt eventuell mit Wiederbelebungsmaßnahmen.
Mehrfachverschüttung
Sind mehrer Personen von der Lawine erfasst worden kann ich das Signal markieren oder deaktiviere den VS Sender der verschütteten Person. Danach begebe ich mich zu meiner Markierung während Signalsuche und führe mein Raster zu Ende. Eventuell entsteht durch die Nähe der verschütteten Personen ein Signal Kauderwelsch das spezielle Methoden der Entwirrung erfordert (z.B Drei-Kreis-Methode). Dies ist allerdings stark vom verwendeten Gerät abhängig und sollte entsprechend geübt werden. Statistisch gesehen sind 10% aller Totalverschüttungen Mehrfachverschüttungen.
Fazit
Je mehr man übt um so schneller wird man. Auch gibt es einen Plan unter Stress. Die Lehrmeinungen der einzelnen Organisationen (DAV, BW, IKAR) unterscheiden sich in Nuancen. Hier rühren auch Hersteller in der Ablaufsuppe. Die einzelnen Phasen sind jedoch gleich Aufgebaut und ermöglichen einen organisierten Ablauf der die Suchzeit erheblich reduziert. Auch die richtige Ausrüstung und z.B. strategisches Graben reduziert die Zeit erheblich.
Im Winter sollte man das Risiko vermeiden und den Lawinen einfach aus dem Weg zu gehen!







































